»Harmonice Mundi« CD-release

Uncategorized Oktober 29, 2021

Im Benediktinerstift Kremsmünster ist eine wunderbare, originale Bassgambe des Wiener Geigenbauers Hanns Khögl von 1674 überliefert. Dieses Instrument inspirierte mich, nach einem passenden solistischen Repertoire und den entsprechenden Klängen aus dem späten 17. Jahrhundert zu suchen. Während prächtige Instrumente der Gambenfamilie aus dem süddeutsch-österreichischen Raum – von Khögl in Wien, Johannes Schorn in Salzburg oder Johann Seelos in Linz – erhalten sind, ist keine originäre solistische Gambenliteratur aus der Gegend überliefert. Stattdessen spielten virtuose Gambisten, wie Matthias Puecher (c1660–1743) in Kremsmünster oder Gottfried Finger (c1660–1730), offenbar Violinmusik auf der Gambe.

So sind auf dieser CD neben Kompositionen für Viola da gamba von August Kühnel (1645 – nach 1699) und Johannes Schenck (1660 – nach 1717) Transkriptionen von Geigenmusik zu hören: eine Sonate Ignazio Albertinis (c1644–1685), die Gottfried Finger um 1700 für Gambe bearbeitete, und je eine Violinsonate Johann Heinrich Schmelzers (c1620–1680) und Heinrich Ignaz Franz von Bibers (1644–1704) in meinen eigenen Transkriptionen. Zusätzlich erklingen Orgelwerke Johann Caspar Kerlls (1627–1693) und Georg Muffats (1653–1704), gespielt von der Organistin und Cembalistin Daniela Niedhammer an einer aus dem Jahr 1662 stammenden Orgel von Hans Vogl in Vormoos.

Diese beiden besonderen historischen Instrumente prägen den Klang der Aufnahme. Khögls Gambe ist sehr resonant und kräftig und besitzt eine strahlende Höhe. Die Besaitung mit sechs reinen Darmsaiten verstärkt sowohl den Oberton-Reichtum des Instruments als auch ihren kernigen, geradezu haptischen Klang. Der Farbenreichtum der einmanualigen Orgel mit fünf Registern bietet ein ideales, warmes klangliches Fundament als Continuo-Instrument und leuchtet irisierend in den Solowerken. Der CD-Titel »Harmonice Mundi« verweist auf Johannes Kepler (1571–1630) und dessen Idee einer musikalischen Weltenharmonie, die »in einem kurzen Teil einer Stunde mit einer kunstvollen Symphonie« dargestellt und erlebt werden kann.

Erscheinungs-Termin: 12. November 2021

Label: carpe diem records

CD-Aufnahme „Harmonice Mundi“

Uncategorized April 27, 2020
Joseph Anton Hafner, „Himmel und Erde preisen den Herrn“
Chorfresko, St. Peter und Paul, Weißenau

„Es sind also die Himmelsbewegungen nichts anderes als eine fortwährende mehrstimmige Musik“, schrieb 1619 der Astronom Johannes Kepler in seinem Werk Harmonices Mundi. So kann der Mensch „die fortlaufende Dauer der Weltzeit in einem kurzen Teil einer Stunde mit einer kunstvollen Symphonie“ darstellen und „das Wohlgefallen des göttlichen Werkmeisters an seinen Werken soweit wie möglich nachkosten in dem so lieblichen Wonnegefühl, dass ihm diese Musik in der Nachahmung Gottes bereitet“.

Im Herbst 2020 plane ich zusammen mit Daniela Niedhammer an der Orgel, verschiedene solcher musikalischen Himmelsvisionen aus dem späten 17. Jahrhundert auf CD aufzunehmen. Unter dem Titel „Harmonice Mundi“ werden wir Gamben- und Orgelmusik aus dem Süddeutsch-Österreichischen Raum einspielen – und dies auf zwei besonderen Instrumenten der Zeit: einer Bassgambe des Wiener Geigenbauers Hannß Khögl von 1674 und einer Orgel des Orgelmachers Hans Vogl von 1662. Die Orgel wurde für die Kirche St. Stephanus in Vormoos (Innviertel) gebaut, wo auch die Aufnahmen stattfinden werden. Die einschiffige Kirche mit barockem Tonnengewölbe von ca. 1650 hat eine wunderbar klare Akustik.

St. Stephanus, Vormoos

Johann Kaspar Christelli

gallery, history, violoncello April 6, 2020
Christellis Portrait gemalt 1761 von Franz Xaver König (1711–1782)
(Kunstsammlung Erzabtei St. Peter)

Johann Kaspar Christelli (Cristelli, Krüstelli) wurde um 1706 in Wien geboren und starb am 8. Januar 1766 in Salzburg. Er diente vierzig Jahre lang als Hofvioloncellist und Hofkompositeur sowie als Kammerdiener am Salzburger Hof. Leopold Mozart lobt ihn in seiner Nachricht von der Salzburger Hofkapelle: „Hr. Caspar Cristelli […] ist Violoncellist und ein großer Meister im Accompagnement. Er unterscheidet sich auch von vielen Hrn. Violoncellisten in der Kunst den guten Ton starck und vollkommen, jedoch auch rein und rührend aus dem Violoncell recht heraus zu ziehen, und mannhaft, nicht aber, auf Bratschenart, jung vorzutragen.“

Cello spielender Zögling der Ritterakademie Kremsmünster, 1751

gallery, history, violoncello April 5, 2020
Portrait von Theophil Andreas Corsinus Christian Maria Freiherr von Alt und Neu Fraunhofen, Ritterakademie Kremsmünster, 1751.

Theophil Andreas Corsinus Christian Maria Freiherr von Alt und Neu Fraunhofen, geboren am 5. Februar 1733 in Moosthenning in Bayern, gestorben am 16. Januar 1792, war 1751 für ein Jahr Mitglied der Ritterakademie in Kremsmünster, einer Schule für den adeligen Nachwuchs. Dort entstand das Portrait des cellospielenden Freiherrn: interessant ist die Besaitung mit vier blanken Darmsaiten und die akkurate französische Untergriff-Bogenhaltung mit dem Mittelfinger auf den Bogenhaaren. Weitere Musiker unter den Zöglingen der Ritterakademie sind hier zu finden: http://www.specula.at/adv/monat_1802.htm