Profil

Inspiriert von dem Ideal des aufgeklärten 18. Jahrhunderts, in einem ausgewogenen Dreiklang aus »Hand, Herz und Verstand« zu leben und zu wirken, verbindet Viktor Töpelmann instrumentale Exzellenz auf der Viola da gamba und dem Barockvioloncello, eine liebevolle Begeisterung für Alte Musik und profunde wissenschaftliche Kenntnisse der historischen Aufführungspraxis und musikgeschichtlicher Zusammenhänge des 17. und 18. Jahrhunderts.

Viktor Töpelmann studierte Musik am King’s College London und Barockvioloncello und Viola da gamba an der Royal Academy of Music London und an der Hochschule für Musik Köln. Von 2011 bis 2015 war er Stipendiat der King’s College Graduate School und wurde 2016 mit einer Arbeit über das kulturelle Umfeld der Familie Mozart in Salzburg promoviert.

Viktor Töpelmann ist gleichermaßen aktiv als Cellist und Gambist. Als Solist, Kammermusiker und Continuo-Cellist verschiedener Orchester tritt er international bei bedeutenden Festivals und in renommierten Konzertsälen auf. Dirigierend oder vom Cellopult aus leitet er Aufführungen barocker Opern und Oratorien oder reine Orchester- und Chorkonzerte. Sein umfassendes Wissen im Bereich der historischen Aufführungspraxis und der historischen Instrumentenkunde dient Viktor Töpelmann als reiche Inspirationsquelle für ein lebendiges Musizieren in der heutigen Zeit. Zahlreiche Aufnahmen, wissenschaftliche Veröffentlichungen, sowie seine akribisch konzipierten Konzert- und CD-Programme weisen ihn als kreativen Musikforscher und inspirierenden Musiker aus.

Instrumentalist

Viktor Töpelmann beherrscht die ganze Vielfalt der »da gamba« (also »zwischen den Knien«) gehaltenen Bassinstrumente der Barockzeit und freut sich am Reichtum der Klänge und Klangfarben der unterschiedlichen Violoncelli und Viole da gamba, die ihm zur Verfügung stehen. Sein solistisches Repertoire umfasst die virtuosen Bass-Diminutionen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, das barocke Solo-Repertoire für Bassgambe von Tobias Hume über Marin Marais bis Carl Friedrich Abel und Musik für barockes und klassisches Violoncello von Domenico Gabrielli bis Ludwig van Beethoven. 2021 erschien die Solo-CD »Harmonice Mundi« mit süddeutsch-österreichischer Musik für Gambe und Orgel des 17. Jahrhunderts, eingespielt auf zwei historischen Instrumenten der Zeit und Gegend: eine Viola da gamba von Hannß Khögl (Wien 1674) und eine Orgel von Hans Vogl (St. Stephanus Vormoos 1662). Mit »Exquisite Delight« veröffentlichte er 2023 ein Album mit Gambenmusik des späten 18. Jahrhunderts von Carl Friedrich Abel, Franz Xaver Hammer und Andreas Lidl.

Schon während seiner Studienzeit spielte Viktor Töpelmann als Cellist im L’Orfeo Barockorchester (Linz) und bei Concerto con anima (Köln). Seitdem folgten Konzerte als Cellist und Gambist in vielen Ländern Europas unter der Leitung von Gustav Leonhardt, Laurence Cummings, Michi Gaigg, Shunske Sato et al. Von 2008 bis 2013 war Viktor Töpelmann Gründungsmitglied der von Elizabeth Wallfisch geleiteten Wallfisch Band.

Im Bereich der Kammermusik verbindet Viktor Töpelmann seit vielen Jahren eine musikalische Freundschaft mit dem Cellisten Gerhart Darmstadt, die in zahlreichen Duo-Konzerten zu erleben ist. Mit seinem eigenen Ensemble Philomusus legt er einen Schwerpunkt auf Musik des 17. Jahrhunderts von Orlando Gibbons und Heinrich Schütz bis Henry Purcell und Dieterich Buxtehude. Zu seinen musikalischen Partnern gehören Musikerinnen und Musiker wie Elizabeth Wallfisch (Violine), Simon Standage (Violine), Roland Götz (Cembalo & Orgel) und Daniela Niedhammer (Cembalo & Orgel).

Dirigent

Von 2015 bis 2022 war Viktor Töpelmann künstlerischer Leiter des Vokal Ensemble München und studierte mit dem Chor jährlich vier bis fünf anspruchsvolle Konzertprogramme ein. Die Aufführungen wurden von der Presse in höchsten Tönen gelobt: »Exzellent! Eminent! Solche Ausrufe drängten sich nach dem Konzert mit dem Vokal Ensemble München […] förmlich auf« (Süddeutsche Zeitung, 15. 7. 2019). Der Münchener Merkur schrieb 2016 von »eine[m] Chor, der die berückende Schönheit der Kunstwerke mit großer Klangintensität und Ausdrucksstärke darstellte« (23. 3. 2016). Laut Süddeutscher Zeitung besitzt Viktor Töpelmann als Leiter eine besondere »Ruhe, [die] die Austrahlungskraft des Vokal Ensembles mitbestimmt«, denn er »lässt seinen Sängerinnen und Sängern Zeit, sich jedem einzelnen Stück zu nähern, es zu erforschen, in sein innerstes Wesen vorzudringen und mit ihm zu verschmelzen« (SZ, 5. 3. 2018).

Von 2011 bis 2016 leitete Viktor Töpelmann das Collegium Muwicum, das Kammerorchester am Musikwissenschaftlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben a capella Chorkonzerten und reinen Orchesterprogrammen dirigierte Viktor Töpelmann auch Aufführungen groß besetzter Musiken des 17. und 18. Jahrhunderts, wie z.B. Heinrich Schütz’ Historia von der Auferstehung Jesu Christi und Weihnachtshistoria, Johann Sebastian Bachs Johannespassion, Henry Purcells Dido and Aeneas und Fairy Queen, Johann Michael Haydns Missa St. Hieronymi oder Marc-Antoine Charpentiers Te Deum.

Musikwissenschaft

Viktor Töpelmanns musikwissenschaftliches Interesse gilt vor allem den sozio-kulturellen Umfeldern der Komponist:innen und Fragen der historischen Aufführungspraxis und Instrumentenkunde. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf Deutsch und auf Englisch umfassen Aufsätze zur Geschichte des barocken Violoncello und der Viola da gamba (Laaber Verlag, Lilienthal 2020), eine Studie über Aufführungen von Johann Heinrich Rolles Oratorium Der Tod Abels in Salzburg und Kremsmüster (in Kirchenmusikalisches Jahrbuch, 100. Jg., hrsg. von Ulrich Konrad, Paderborn 2017) und eine Beschreibung des musikalischen Lebens in Wolfgang Amadé Mozarts Geburtsstadt Salzburg (in Mozart in Context, hrsg. von Simon Keefe, Cambridge 2018).

Viktor Töpelmanns Promotion am King’s College London förderte die King’s College Graduate School mit einem Vollstipendium von 2011 bis 2015. Seine Dissertation mit dem Titel The Mozart Family and ‘Empfindsamkeit’: Enlightenment and Sensibility in Salzburg 1750–1790 wurde 2016 angenommen und fand in den Kreisen der Mozart-Forschung weite Beachtung. Die Dissertation dokumentiert durch Auswertung umfangreicher Archiv-Recherchen das kulturelle und intellektuelle bürgerliche Umfeld der Mozarts in Salzburg. Im Widerspruch zu dem in der Mozart-Biographik gängigen Topos einer rückständigen konservativ-katholischen Residenzstadt zeichnen Buchhandelskataloge, Bibliotheksverzeichnisse, private Nachlässe und briefliche Beschreibungen das Bild einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft, deren Mitglieder die neuesten ästhetischen, sozialen und intellektuellen Strömungen Europas mit Interesse verfolgten und adaptierten. In diesem Kontext hat auch die Familie Mozart ihre zahlreichen wissenschaftlichen, literarischen und musikalischen Interessen kultiviert. Im Zentrum der Arbeit steht eine Rekonstruktion der Salzburger Bibliothek der Familie Mozart, die eine Reihe überlieferter und bisher unbekannter Bände aus dem Familienbesitz vorstellt.

Lehre

Mit leidenschaftlichem Engagement und großer Freude unterrichtet Viktor Töpelmann sowohl an verschiedenen Hochschulen und Universitäten als auch auf Sommerkursen. An der Royal Academy of Music London gab er Seminare in historischer Aufführungspraxis über Themen wie historische Stimmungen, Tempo Rubato oder Verzierungs-Kunst und unterrichtete von 2011 bis 2014 dort Viola da gamba. Als Lehrbeauftragter leitete Viktor Töpelmann von 2011 bis 2016 ein Kammerorchester an der Ludwig-Maximilans-Universität München und vermittelte so einen praktischen Zugang zur historischen Aufführungspraxis. In Taiwan gibt er regelmäßig Meisterkurse in historischer Aufführungspraxis und leitet Orchester- und Kammermusikprojekte mit Alter Musik an verschiedenen Musikhochschulen und Universitäten.

Jährlich unterrichtet er im August auf einem Sommerkurs in Zell an der Pram und organisiert einen Kurs für Alte Musik in der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld. Als Musiker und als Pädagoge liegt es Viktor Töpelmann am Herzen, Musik nicht allein als artifiziellen Selbstzweck, sondern als eine lebendige menschliche Ausdrucksform erlebbar werden zu lassen.

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